Klauste was, hastes auch – Der Senf zur Eisenbahnbücke auf die Krim

Wen man auf der Fähre von Russland auf die Krim so alles trifft.

Ich hatte das große Vergnügen, meinen Senf zur
Eröffnung der Eisenbahnbrücke auf die Krim dazu zu geben. „Klauste was, haste was“. Deutschlandfunk Kultur, ein neuer Sendeplatz. Klipp und Klar heißt der. Nur leider sind die kurzen, klaren Zwischenrufe nicht online.
Hier zum Nachlesen:
Fast 6 Jahre ist es her, dass russische Soldaten die Halbinsel Krim im Handstreich von der Ukraine erobert haben. Das ging recht schnell und einfach, doch dann gingen die Probleme richtig los. Nicht nur, dass westliche Staaten Sanktionen gegen Russland verhängten, die Krim war plötzlich gleichsam abgeschnitten von der Versorgung mit Wasser, Strom und selbst Touristen blieben nach der anfänglichen Euphorie aus. Vier Jahre nach der Eroberung wurde eine Brücke für Autos eröffnet. Heute nun soll die Brücke für den Eisenbahnverkehr eröffnet werden. Thomas Franke.

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Ich fand die Küste der Krim nie besonders schön.

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Nein, es sind nicht alle doof. Senf zur Weltlage:

Heute hat das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur, WADA, seine Entscheidung, ob Russland für vier Jahre nahezu völlig von internationalen Sportwettbewerben ausgeschlossen verkündet. Russische Sportler und Sportfunktionäre waren schon mehrfach des Dopings überführt und dafür abgestraft worden. Um sich zu rehabilitieren, hatte Russland unter anderem die Daten seines Antidopinglabors freigegeben. Und dabei erneut manipuliert, wie eben die Dopingprüfer nun festgestellt haben. Ich habe das bei SWR2 im Vorfeld kommentiert. Ist nur leider auf deren Homepage gut versteckt. Deshalb hier mein ungedopter Erguss nach einer soliden Dosis Iustitien. Weiterlesen

Kunst oder Wunst

Verloren im digitalen Raum?
Orientierungslos!
Einige nennen es Kunst, andere sagen einfach, was sie sagen müssen.
48 Stunden Neukölln
Boris Alexander Knop
mit Thomas Franke (Nach Moskau)
„Wir wissen nicht, was wir tun. Wichtig ist, das wir es tun!“ (Quelle noch unbekannt, vielleicht werden wir ja an diesem Wochenende berühmt)
in der SomoS Galerie am Kottbusser Damm 95, 10967 Berlin

Samstag und Sonntag
von 12h bis 18h
every hour on the hour (except 2pm)

Tag der Pressefreiheit – Missbrauch des Journalismus

Es geht nicht allein um Verbote, Schikanen, Zensur. Seit Jahren missbrauchen Propagandisten unsere Branche, um zu hetzen, Unwahrheiten zu verbreiten, Menschen an den Medienpranger zu stellen, Angst zu schüren. Ich ärgere mich immer wieder, wenn diese Typen als Journalisten bezeichnet werden. Journalismus ist ein ehrenwerter Beruf. Journalisten geben den Menschen die Informationen, die sie brauchen, um Bürger zu sein. Journalismus unglaubwürdig zu machen, ist das Ziel von Autokraten und Diktatoren.

Jüngstes Beispiel für den Missbrauch der Öffentlichkeit ist ein Film über die internationale Wahlbeobachterplattform EPDE mit Sitz in Berlin. Ihre Betreiberin, Stefanie Schiffer, ist Opfer einer pseudoinvestigativen Medienhetze in den russlandweiten Fernsehkanälen NTW und REN-TW. Heute lief ein Stück dazu beim WDR. Wer da mal reinhören möchte:

 

Die Nummer ist nicht neu, ich wurde selbst mehrfach Zeuge, wie diese Typen arbeiten. Und ich möchte nie wieder hören, dass es sich bei den Mitarbeitern dieser Kanäle um Journalisten handelt. Im Buch Russian Angst erzähle ich, wie sie einen Stoßtrupp der Nationalen Befreiungsbewegung zu einer privaten Filmvorführung begleiten. Sie fand im Saal eines Restaurants statt. Es war ein Dokumentarfilm über die Probleme junger Homosexueller.

Kapitel 11 Die Rückkehr der Angst
„…Gleichzeitig stehen im Restaurant vor dem Saal etwa zehn Leute, darunter mehrere alte Frauen. Sie tragen Schürzen mit Putins Konterfei. »Erlöser« steht darauf. Ein Kamerateam dreht. Die Frauen halten Ikonen hoch, ein Mann macht Stimmung: »Sodom und Gomorrha«, skandiert auch er. »LGBT und Sodomie, raus aus Russland! Sodom und Gomorrha, kennen Sie die? Das waren antike Städte. In Sodom gab es genau solche Beziehungen wie LGBT. Die Städte wurden von Gott zerstört. Und wir wollen nicht, dass unser Land zerstört wird, weil hier so etwas passiert. Natürlich soll man niemanden mehr auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Auch keine Schwulen.« Einige Gäste starren angestrengt auf das teure Essen, andere blicken fassungslos. Das Fernsehteam dreht fleißig. Es kommt von dem Kreml-nahen Kanal NTW und begleitet die Provokateure. NTW hat schon viele Hetzfilme über angebliche Feinde Russlands gedreht. Kaum ein anderer Kanal erfindet und manipuliert so schamlos Geschichten….“

Wie es um die Pressefreiheit in Russland steht, quasi zwischen Hetze und Kontrolle, kann man hier nachlesen:

https://www.swr.de/-/id=19189320/property=download/nid=8986864/1gl2sl2/swr2-tandem-20170424-1005.pdf

und hier nachhören:

http://flow.webseiten.cc/zensur-3-0/

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/tandem/swr2-tandem-medien-und-zensur-orden-oder-wodka/-/id=8986864/did=19189318/nid=8986864/1oaf5cd/index.html

„Спасибо Деду за Победу“ – „Danke, Opa, für den Sieg“

Wolgograd ist ein Wechselbad der Gefühle. Dankbarkeit für die Befreiung Europas von den Nazis. Unfassbar die vielen Toten, unfassbar die Sinnlosigkeit. Mich hat der Militarismus der Regierung schwer irritiert und in einen Zwispalt gestürzt: Wie viel Kritik darf ich mir als deutscher Autor (Jahrgang 1967) erlauben. Oder muss ich sogar? Welche Verantwortung habe ich als Deutscher der Enkelgeneration?

Auszug aus Russian Angst:
„Siegen ist zeitgemäß, wenn orange-schwarze Georgsbänder die Menschen zusammenbinden. Schon wird ein neues Siegen vorbereitet und ein neues Sterben alsbald. Ja, bereitet sie nur vor, die Kleinen. Die Veteranen sterben. Da braucht man neue Siege, bitter erkämpft, neue Helden und neue Veteranen, sonst ist das Kostümfest hin. Darum wäre es nicht schade, finde ich, immer im Konflikt mit mir selbst, wie viel Meinung ich als Deutscher dazu haben sollte.

 

Auf der Straße herrscht Familienfeststimmung. Die Mädchen haben Beine, lang und länger, und tragen Röcke, kurz und kürzer, tragen zur Uniform Schuhe mit hohen Absätzen. Und kommt ein Veteran vorbei in Paradeuniform mit geschwellter Brust und Lenin-Orden, dann wird schnell ein Selfie gemacht. Gerade sein Gang, am 9. Mai hat er gesiegt, sonst ist er ein alter Mann mit Stock und einem Enkel, der selbst längst Vater ist. Dann kommen Kinder mit Blumen. »Danke für den Sieg, Veteran!« Schnell noch ein Foto, und ein letztes Mal strafft sich der alte Körper und steht gerade, die Hand an der Mütze, grüßt er nicht ihn, Stalin, er grüßt die Digitalkamera. Und auch ich denke wieder einmal: Schön, dass die Nazis weg sind, danke, Veteran.“

Stalingrad

Wenn ich aus dem Kapitel „Stalingrad“ lese, passiert es immer wieder, dass Zuhörer oder Zuhörerinnen weinen.
Heute vor 75 war die Schlacht um Stalingrad zu Ende. Die Körberstiftung hat zu dem Anlass ein Interview mit mir geführt. Hier der Text:

 

Sie sind 2012 im Umfeld des 70. Jahrestags der Schlacht von Stalingrad nach Wolgograd gereist. Ihre Begegnungen und Erlebnisse stehen im Mittelpunkt des Kapitels zu Stalingrad in Ihrem Buch „Russian Angst“.
Was ist Ihnen von Ihrem Besuch 2012 in Wolgograd bis heute am eindrücklichsten im Gedächtnis geblieben?

In Wolgograd haben sich meine Dankbarkeit und mein Respekt vor den Menschen, die dafür gesorgt haben, dass das Dritte Reich den Zweiten Weltkrieg nicht gewonnen hat, noch einmal um ein Vielfaches verstärkt. Wir haben es auch den Menschen in der Sowjetunion zu verdanken, dass wir in freien, demokratischen Gesellschaften leben können. Etwas, das ihnen selbst leider verwehrt geblieben ist.

Ich war in all den Jahren in Russland, Weißrussland und der Ukraine an keinem anderen Ort, an dem das Leid, das der Krieg über die Menschen der Sowjetunion gebracht hat, so spürbar ist. Noch immer sind nicht alle Opfer der Schlacht von Stalingrad geborgen. Sie liegen unter der Erde auf weiten Feldern. Dort liegen auch ihre Stiefel, Patronen, Konserven, Autositze usw. Man geht quasi über die Leichen, muss nur ein wenig buddeln, dann kann man auf Knochen stoßen. Es ist grausig, besonders, weil das Sterben so sinnlos war. In Wolgograd wird der Irrsinn von Krieg und Einmarsch in andere Länder überdeutlich. Welch ein Wahnsinn, Deutsche Soldaten an die Wolga zu treiben. Was zur Hölle wollte die Wehrmacht dort? Deutsche Soldaten hatten dort nichts zu suchen. Weiterlesen

Irren ist wünschenswert – der Senf zur Weltlage 2018

Es ist ja immer schwierig, Ereignisse vorauszusagen, aber dass Wladimir Putin im März erneut zum Präsidenten Russlands gewählt wird, ist schon ziemlich klar. Weitere sechs Jahre wird die Amtszeit dauern. Putin wird, wenn er bis zum Schluss im Amt bleibt, 71 Jahre alt sein und 20 Jahre an der Spitze Russlands gestanden haben, plus vier Jahre als Premierminister. 20 bzw. 24 Jahre haben nur wenige Staatschefs geschafft, und die meisten nicht demokratisch.
Den Ausblick auf das Jahr mit Putin hat SWR2 heute morgen (5.1.18) gesendet:

Putin wird nicht schummeln müssen. Die Mehrheit der Russen steht hinter ihm. Sie haben ja auch keine andere Wahl. Alle ernst zunehmenden politischen Kräfte sind längst ausgeschaltet. Und die Medien singen das hohe Lied des Herrschers. So machen Wahlen Spaß – jedenfalls Wladimir Putin. Da braucht er nicht mal eine Partei.

Putin muss Kritik nicht fürchten, er steht für Stabilität, ist derjenige, der Russland wieder groß macht und an die Großmacht Sowjetunion anknüpft, die der Welt die Stirn bietet. Putin Molodez – ein Prachtkerl halt. Er holt die großen Welt-Sportereignisse nach Russland, 2018 wird er sich im Licht der Fußball-WM sonnen.

Putin bewahrt Russland vor Chaos, wie wir es angeblich in der EU haben, vor dem Niedergang westlicher Demokratien und vor Demokraten, die doch nur eins im Sinn haben, Länder ins Chaos zu stürzen – siehe Ukraine.

Putin hat leichtes Spiel: In großen Teilen der Bevölkerung sind Liberalismus und Demokratie negativ besetzt. Die Begriffe stehen für die 90er Jahre, als das Land in Armut und Chaos versank. Putin ist der Politiker, der all das beendet hat. Medien und staatliche Stellen schüren Angst, dass sich so eine Situation wiederholen könnte.

2018 wird erneut das Jahr von Vladimir Putin. Das ist nicht gut, denn Putin ist ein erklärter Gegner von Liberalismus und Demokratie. Nicht nur im eigenen Land. Regierung und Propaganda vertiefen bewusst Gräben zu anderen Staaten. Die Regierung verstößt gegen Verträge, die Russland nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion unterschrieben hat, hält sich nicht an Absprachen und macht dafür die verblüfften Partner vor allem in Westeuropa verantwortlich. Erfolgreich. Das unsinnige Gerede von einer Wiederauflage der Systemkonfrontation, eines neuen kalten Krieges, setzt sich fest. Die russische Propaganda zeigt Wirkung. Es sind die Überbringer schlechter Nachrichten, die für eine angeblich negative Russlandberichterstattung verantwortlich gemacht werden.

Putin nutzt die Schwächen anderer Menschen gnadenlos aus. Erinnern wir uns kurz daran, wie er Angela Merkel mit seinem Hund verschreckte, wohl wissend, dass Merkel als Kind von einem Hund angefallen wurde und Angst vor Hunden hat. Diese Episode steht stellvertretend für den Regierungsstil Russlands unter Putin. Es ist immer noch schwer vorstellbar dass jemand so schamlos lügt, wie es die russische Führung unter Putin tut. Putin verehrt Stalin und droht Nachbarn offen. Und er sieht sich als derjenige, der die slawischen Stämme eint. Zuletzt beschwor er während seiner Pressekonferenz Mitte Dezember die Einheit der Ostslawen, das mittelalterliche Reich der Rus, das in Kiew seinen Ursprung hatte. Wir sind ein Land, sagte er – das kann man auch als Ankündigung verstehen, die Ukraine langfristig einzugemeinden. Zumal Putin sehr wohl weiß, dass kein Nato-Soldat für die Ukraine in den Krieg ziehen wird.

Die Regierung Putin wird auf Konfrontationskurs bleiben. Das muss man ernst nehmen. Er macht, was er ankündigt, und manchmal macht er Sachen, die er nicht angekündigt hat. Das wird auch 2018 dafür sorgen, dass die Lage kein‘ Deut besser wird. Ich hoffe, ich irre mich.