Bilitis in T‘bilisi – Kaukasische Assoziationen, posthum David Hamilton gewidmet. Von Martin Reiner

Tirpitz in Tiflis? Bakunin in Batumi?
Trump war hier, aber nicht die Tiger-Panzer,
ein Tower steht hier zum Beweis. Il Papa sprach
vor leeren Reihen. Ilja heißt der Spielverderber,
Always ultra-orthodox.

Das Goldene Vlies ist lang schon weg, für manche
war’s erst gestern. Die Erinnerung ist einfach
zu groß. Jason schaut traurig zum Meer,
vor sich ein Pferderest. Beton:
Es kommt drauf an, was man draus macht.

In Graf Draculadzes Spukhotel tanzen die Vampire
um den Rattansessel von Emanuelle.
Marmor, Marmor, Marmor, Orgientaugliche Badewannen.
Das Spiegelbild verdampft, Putz blättert von den Wänden,
Lüften wär nicht schlecht in den Subtropen.

Ich denke oft an Piroschmani. Er grüßt mich überall, schaut,
geronnen zum Klischee, aus jedem Schaufenster. Auch
Josef sieht man viel, sein Schnauzbart schmückt die Auslagen.
Sakhartvelo träumt weiter den georgischen Traum.
Neandertalerselfies schmücken die Fassaden.

Wer hat’s erfunden? Den Wein? Das Käsebrot?
Das beste Schaschlik der Welt? Wo war der Garten Eden?
Frag nach in Georgien. Wo Männer noch Männer sind.
Und Salome ihren Opfern hilft. Der Blick von außen ist gemein.
Zwischen Heydar Alijew und George Bush fließt das Wasser gen Osten.

Die georgische Macht wirft Würste auf Veganer. Leider
meinen sie es ernst. Ein Kopftuch weggerissen, ’ne Scheibe
eingeschmissen, Ihr solltet Euch verpissen, man wird Euch
nicht vermissen. Im Kiwi feiern die Gepiercten ihren Traum
von Europa.

Saakashvili, Schewardnadse,
Dshugashvili, Abaschidse
Ivanishvili, Kobiashvili, Kwirikashvili, Margwelashvili
Tamar hieß die Königin
Ischwill Ischwill da wieder hin.

 

Lenin lebt – was nun, Genosse Putin? Aufnehmen!

Worum geht’s?

Wir lasen Karl Marx und begriffen nichts,
fühlten uns frei, doch bedroht.

imbiss warnemündeIch sage Sachen, die sonst immer andere gesagt haben, offensichtlich bin ich jetzt so alt wie die, die immer so ein interessantes Leben hatten, das war weit weg, nun ist es meins, und es kam ganz von allein, und es ist nicht interessanter als andere, ich bin nur älter geworden, dafür kann ich nur bedingt etwas.

Ein Abend, in London war’s, betrunken vor den Bus gelaufen, kam von der falschen Seite. England halt.

Es ist nicht so interessant.

Ja, es gibt nicht mehr viele Frauen, die wissen, wie Wurst gut schmeckt. Ich habe eine gefunden an einem Freitag in einem Anhänger auf einem Markt am Kanalufer in Berlin. Schön waret jewesen. Wir schauten uns tief in die Augen. Sie sagte: „Was darf’s denn sein?“ Und ich sagte: „Wurst.“

Sie lachte ein Lachen, wie es nur Wurstverkäuferinnen haben: „Ja, davon habe ich viel. Sagen Sie mir, welche und wie viel davon, dann wiege ich Ihnen das ab.“ Ich schmolz dahin, nahm von der Rindersalami und von der groben Leberwurst Berliner Art. Ich kaufte Kaisersülze, und als sie fragte, was es noch sein darf, bestellte ich Rindswürstchen und gekochten Schinken. Dann machte ich Schluss und tat ihr weh. Das wollte ich nicht. Ich bat sie noch, mir in der nächsten Woche ein Herz mitzubringen. Erwartungsfreudig blitzten ihre Augen: „Vom Rind oder vom Kalb?“ „Vom Kalb“, sagte ich, „ich mag Kinder“, und ging nachdenklich nach Hause. Essen.

In Tiflis im Taxi

In Tiflis im Taxi 9

Die Fahrt zum Flugplatz kostet jetzt 30 Lari, sagt der Taxifahrer.
Mein Abflug ist 4 Uhr 20.
Wenn ich Sie nachts abhole, kostet es 40.

Am Abend vor dem Abflug bestellt Irakli das Taxi. Der Weg ist weit. Einmal durch die Stadt. Durchs Zentrum, raus zum Flugplatz. Es kostet 20 Lari. Ich gebe 5 Lari Trinkgeld. In meinem Hinterkopf sagt Rusudan: Das ist zuviel, du bist zu nett, du verdirbst die Preise.


In Tiflis im Taxi 8

Nachmittags. Der Weg von Iraklis neuer Wohnung  in die Stadt ist teurer geworden, wenn auch nicht teuer. Du gibst ihm 5 Lari! sagt Irakli.

Der erste Fahrer: 20 Lari.
Ich drehe mich um, wortlos.
Er schimpft, wortreich.
Der nächste. Weiterlesen