Danke! Gedanken zum Tag der Befreiung von der Naziherrschaft

Gerade ist zufällig ein Autokorso in Berlin Treptow an mir vorbei gefahren. Hier nur ein paar schnelle Eindrücke und Gedanken zum Tag der Befreiung von der Naziherrschaft.

Ich ertrage es nicht, dass auf den Gräbern der Soldaten, die Berlin von den Nazis befreit haben, Propaganda gemacht wird.

Ich ertrage es nicht, dass die Kremlpropaganda es geschafft hat, Trauer und Dankbarkeit so zu besetzen, dass für Demokraten kein Platz mehr ist.

Ich ertrage es nicht, dass die russische Regierung das Leiden der Völker der Sowjetunion unter dem Zweiten Weltkrieg monopolisiert.

Ich ertrage es nicht, dass ausgerechnet die sich als Befreier Europas vom Faschismus feiern, die Gesetze gegen Homosexuelle beschlossen haben, die Bürgerwehren fördern, die Bevölkerung gegen Andersdenkende und Kritiker aufhetzen, die Kritiker „Volksverräter“ nennen, für Demokraten und Liberale nur Verachtung übrig haben.

Ich ertrage es nicht, dass die gleichgeschalteten Propagandamedien im In- und Ausland wahrheitswidrig verbreiten, Russland sei von Feinden umzingelt, die nur eins im Sinn hätten, Chaos und Armut nach Russland zu bringen und das Land zu besiegen.

Ich ertrage es nicht, dass diese Regierung von einem Krieg der Kulturen redet und auch so handelt.

Auf der Seite steht „KGB Streife“

Ich ertrage es nicht, dass Stalin bei der Gelegenheit als „Starker Führer“ rehabilitiert wird und seine Verbrechen ignoriert werden.

Auszug aus Russian Angst:
„Der Krieg ist erst zu Ende, wenn der letzte Tote bestattet ist. Ich bin nicht derjenige, der diesen Krieg beenden kann. Immer wieder ist er auf der Überholspur in der jährlichen Woche der Siege. Dieser Krieg geht nie zu Ende.“

Einst war das schwarz-orange gestreifte Georgsband eine Auszeichnung für besondere Tapferkeit. Für mich stand es auch für die Befreiung Deutschlands vom Faschismus. Das ist vorbei. Seit 2014 steht das Symbol für den Krieg in der Ukraine und die Unterdrückung Schwächerer. Viele, die es tragen, sind offen antidemokratisch oder ignorant. Wäre es nicht Zeit, das Georgsband zum verfassungsfeindlichen Symbol zu erklären?

Und ist es nicht an der Zeit, die Sender, die offen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung hetzen, wegen Volksverhetzung anzuklagen?

Lesung und Hörspiel

8. März, Moskau, Internationaler Frauentag.
Ich war in sechs Blumenläden:
„Rosy nado?“
„Njet. Gwosdika jest?“
„Njet, Tulpani.“

Am Ende brachte ich meiner Russischlehrerin zum Frauentag statt einer roten Nelke rote Tulpen. Was das über die Situation der Frauen in Russland sagt, ob das überhaupt zusammenhängt, das überlasse ich jedem selbst (siehe Foto unten).
Weiterlesen

Bilitis in T‘bilisi – Kaukasische Assoziationen, posthum David Hamilton gewidmet. Von Martin Reiner

Tirpitz in Tiflis? Bakunin in Batumi?
Trump war hier, aber nicht die Tiger-Panzer,
ein Tower steht hier zum Beweis. Il Papa sprach
vor leeren Reihen. Ilja heißt der Spielverderber,
Always ultra-orthodox.

Das Goldene Vlies ist lang schon weg, für manche
war’s erst gestern. Die Erinnerung ist einfach
zu groß. Jason schaut traurig zum Meer,
vor sich ein Pferderest. Beton:
Es kommt drauf an, was man draus macht.

In Graf Draculadzes Spukhotel tanzen die Vampire
um den Rattansessel von Emanuelle.
Marmor, Marmor, Marmor, Orgientaugliche Badewannen.
Das Spiegelbild verdampft, Putz blättert von den Wänden,
Lüften wär nicht schlecht in den Subtropen.

Ich denke oft an Piroschmani. Er grüßt mich überall, schaut,
geronnen zum Klischee, aus jedem Schaufenster. Auch
Josef sieht man viel, sein Schnauzbart schmückt die Auslagen.
Sakhartvelo träumt weiter den georgischen Traum.
Neandertalerselfies schmücken die Fassaden.

Wer hat’s erfunden? Den Wein? Das Käsebrot?
Das beste Schaschlik der Welt? Wo war der Garten Eden?
Frag nach in Georgien. Wo Männer noch Männer sind.
Und Salome ihren Opfern hilft. Der Blick von außen ist gemein.
Zwischen Heydar Alijew und George Bush fließt das Wasser gen Osten.

Die georgische Macht wirft Würste auf Veganer. Leider
meinen sie es ernst. Ein Kopftuch weggerissen, ’ne Scheibe
eingeschmissen, Ihr solltet Euch verpissen, man wird Euch
nicht vermissen. Im Kiwi feiern die Gepiercten ihren Traum
von Europa.

Saakashvili, Schewardnadse,
Dshugashvili, Abaschidse
Ivanishvili, Kobiashvili, Kwirikashvili, Margwelashvili
Tamar hieß die Königin
Ischwill Ischwill da wieder hin.

 

Lenin lebt – was nun, Genosse Putin? Aufnehmen!

Worum geht’s?

Wir lasen Karl Marx und begriffen nichts,
fühlten uns frei, doch bedroht.

imbiss warnemündeIch sage Sachen, die sonst immer andere gesagt haben, offensichtlich bin ich jetzt so alt wie die, die immer so ein interessantes Leben hatten, das war weit weg, nun ist es meins, und es kam ganz von allein, und es ist nicht interessanter als andere, ich bin nur älter geworden, dafür kann ich nur bedingt etwas.

Ein Abend, in London war’s, betrunken vor den Bus gelaufen, kam von der falschen Seite. England halt.

Es ist nicht so interessant.

Ja, es gibt nicht mehr viele Frauen, die wissen, wie Wurst gut schmeckt. Ich habe eine gefunden an einem Freitag in einem Anhänger auf einem Markt am Kanalufer in Berlin. Schön waret jewesen. Wir schauten uns tief in die Augen. Sie sagte: „Was darf’s denn sein?“ Und ich sagte: „Wurst.“

Sie lachte ein Lachen, wie es nur Wurstverkäuferinnen haben: „Ja, davon habe ich viel. Sagen Sie mir, welche und wie viel davon, dann wiege ich Ihnen das ab.“ Ich schmolz dahin, nahm von der Rindersalami und von der groben Leberwurst Berliner Art. Ich kaufte Kaisersülze, und als sie fragte, was es noch sein darf, bestellte ich Rindswürstchen und gekochten Schinken. Dann machte ich Schluss und tat ihr weh. Das wollte ich nicht. Ich bat sie noch, mir in der nächsten Woche ein Herz mitzubringen. Erwartungsfreudig blitzten ihre Augen: „Vom Rind oder vom Kalb?“ „Vom Kalb“, sagte ich, „ich mag Kinder“, und ging nachdenklich nach Hause. Essen.