Umdenken, Staaten lenken – Putin braucht keine Einheitspartei

Meinen Senf zur Dumawahl gibts hier:
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/swr2-am-morgen/duma-wahl-in-russland-alle-fuer-putin/-/id=660124/did=18166060/nid=660124/192pcen/index.html

Oder hier:
Putin hat alles richtig gemacht. Die Wahlen zur Staatsduma sind so marginal geworden, dass sich eigentlich kaum noch jemand darum schert. Und das haben die Abgeordneten selbst verschuldet. Die bisher in der Duma vertretenen vier Parteien haben so gut wie alles, was die Regierung wollte, abgenickt. Putin braucht kein Einparteiensystem wie die Diktatoren der Sowjetunion. Auch ausserhalb des Parlaments ist immer noch keine Partei in Sicht, die Mehrheiten zusammen bekommen könnte.
Die ganze Politik Russlands ist von Putin besetzt. Die ganze? Nein! Es gibt ein paar unbeugsame Demokraten, die weiter in die Zukunft schauen. Sie versuchen, mittels Direktmandaten in die Duma einzuziehen. Sie müssen geduldig sein, denn sie planen für die Zeit nach Putin.
Die Regierungspartei Einiges Russland sorgt seit Jahren dafür, dass sie mit dem sehr mächtigen Staatsapparat verschmilzt. Offensiv bedient sie sich administrativer Mittel. Die Menschen wissen nicht mehr, wer die Straße reparieren liess, die Partei und ihr örtlicher Kandidat oder der Gouverneur. Es ist naheliegend, jemanden zu wählen, der Beziehungen hat, einflussreich ist, den Draht zur Macht besitzt. Russland funktioniert in großen Teilen so. Natürlich sind Oppositionskandidaten dagegen weitgehend chancenlos. Zumal sie im Vorfeld der Parlamentswahl keinen Zugang zu den wichtigen Medien hatten, dort kriminalisiert wurden oder anders diffamiert.
Die Medien sind unter Kontrolle der Regierung und stärken die Macht. Die Massenmedien verbreiten seit Jahren, dass um Russland herum Krieg herrscht, dass die EU und die USA kurz vor dem Kollaps stehen, dass Oppositionelle vom Westen gelenkt nur ein Ziel haben, Russland ins Chaos zu stürzen. Davon hatten die Russen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wahrlich genug.
Putin hat alles richtig gemacht, denn ihm geht es um Machterhalt. 2011 waren nach der gefälschten Parlamentswahl Zigtausende auf der Straße. Berichte über Fälschungen gibt es zwar auch diesmal. So wird gemeldet, dass im Altai jüngere Leute im Namen von Älteren gewählt haben. Auch wurden ganze Stapel mit ausgefüllten Zetteln in Urnen geworfen. So zu sehen in Internetvideos. Es wird deshalb aber keine Massendemonstration geben. Die Menschen sind einfach desillusioniert.
Die Wahlbeobachterorganisationen hatten keinen direkten Zugang mehr zu den Wahllokalen, nur über den Umweg als Medienvertreter oder Vertreter einer Partei. Doch auch da mussten sie drei Tage vorher Bescheid sagen, wo sie beobachten. Dazu kommt, dass sie im Register der Ausländischen Agenten stehen, solchen Leuten vertraut man nicht.
Diese Wahlen sind wichtig für all jene, die von der Gunst der Macht abhängen und das Land in Putins Sinne zusammen halten. Die müssen nämlich beweisen, dass sie ihre Gebiete unter Kontrolle haben, dass es keine Proteste gibt und Manipulationen nicht rauskommen oder zumindest keine Folgen haben. Putin hat alles richtig gemacht und seine Macht gefestigt.

Realitätsverklitterung

Das Meinungsforschungszentrum Lewada wurde zum ausländischen Agenten erklärt. Meine Meinung dazu kann man nachhören:

http://www.swr.de/swr2/programm/russland-erklaert-meinungsforschungsinstitut-lewada-zu-auslaendischen-agenten-auf-dem-weg-zum-geheimdienststaat/-/id=661104/did=18091240/nid=661104/d6e97j/index.html

Und nachlesen:
Als vor fünf Jahren die Dumawahlen gefälscht wurden, gingen in Moskau zigtausende auf die Straße. Dort stellten sie fest, dass sie nicht allein sind mit ihren kritischen Ansichten. Die Bewegung schwoll an, wurde schließlich eingeschüchtert und niedergeprügelt. Anführer der Demokratiebewegung und Teilnehmer wurden angeklagt und verurteilt. Seit dem tut die Regierung alles, um ihre Stellung zu festigen.
Weiterlesen

Die Flüchtlingsrevolution

Das UN-Flüchtlingshilfswerk spricht von 60 Millionen Menschen, die 2015 auf der Flucht waren. Die Wanderung der Völker verändert derzeit die Welt. Meine Weltreporter-Kollegen und ich haben Flüchtlinge in unterschiedlichsten Ländern getroffen und ihre Geschichten aufgeschrieben. Sie erscheinen heute in dem Buch: „Die Flüchtlingsrevolution. Die Welt ist in Bewegung.“cover

http://www.randomhouse.de/ebook/Die-Fluechtlingsrevolution/Marc-Engelhardt/Pantheon/e498184.rhd

Darin auch die Geschichte der Familie Haurdic, die ich seit 1998 begleite.

 

 

Senf zur Weltlage: Erneut Russland, Ukraine etc

hier beim SWR:
http://www.swr.de/swr2/kultur-info/juengste-eskalation-zwischen-russland-und-der-ukraine/-/id=9597116/did=17971612/nid=9597116/es1oaw/index.html

oder hier:
Der Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier kann einem leidtun. Mantrahaft reicht er seinem „alten Freund Sergej“ Lawrow die Hand, ein ums andere Mal lässt der ihn auflaufen. Der Dialog darf nicht abreißen, so Steinmeiers Überzeugung – nur, ist ein Treffen allein schon Dialog? Kein Treffen ist aber erst recht keine Option. Das gestrige Treffen war ein Schlag ins Gesicht des deutschen Außenministers.
Weiterlesen

Deutsche Dialoge – Heute: Der Kiosk in Flensburg

kiosk flensburg

Wo ist der junge Mann in der gelben Jacke
Hier. Hinter Ihnen. Was gibt’s?
Sind Sie von der Presse?
Ja, wieso?
Sie haben eben meinen Kiosk fotografiert.
Ich habe was?
Sie haben eben meinen Kiosk fotografiert. Das dürfen Sie nicht.
Entschuldigung. Ich habe meinen Freund fotografiert.
Ich hab es doch gesehen.
Ich mache Radio. Fotos sind mir egal.
Erzählen sie doch nichts…
Ohne Ihnen jetzt zu nahe treten zu wollen, Ihr Kiosk ist medial völlig uninteressant.

Hörbar Lesung 8.8. – Montag

Analsex mit Walter Ulbricht?
Pornos in Moskau – warum fördert das Goetheinstitut nicht die wahren Lehrfilme für Deutsche Sprache?
text haurdicNebenan erschießen sie Menschen, und ich trage dieses bescheuerte blaue Hemd aus Plastik, mit dem ich im Internet zu sehen bin. Jedes Mal, wenn ich mich selbst google, ärgere ich mich.

Hörbar. In der Mo-Bar
Montag, 8.8. – Achtung – 8 Uhr
Fehrbelliner Straße 6
Berlin

Getränke gibt es an der Bar ab 19.30

In der Zeit

In der Zeit, in der LKWs in Menschenmengen fahren
In der Zeit, in der Morde an Fremden jahrelang nicht aufgeklärt werden
In der Zeit, in der jeder jeden beschimpfen darf
In der Zeit, in der Menschen irgendetwas behaupten
In der Zeit, in der das wahr wird, und die Wahrheit nicht mehr in der Mitte ist, wo sie sowieso nie war
In der Zeit, in der allen alles zu viel ist
In der Zeit, in der Clowns die Leute aufhetzen
In der Zeit, in der scheinbar einfach so Kriege ausbrechen
In der Zeit, in der die Menschen ihre Unmündigkeit wiederentdecken
In der Zeit, in der die höheren Töchter sich Tattoos stechen lassen, als Beweis ihrer wilden Jugend

Die Freiheit ist vielen lästig
Es ist Zeit

vive la france

fisch gegrillt
wein weiß

himmel blau
wolken weiß
cote azur
körper braun
kleid weiß

meer blau
schaumkronen weiß

sonnenbrand rot
sonnenschirm blau weiß

lavendel blau
boote weiß

segel weiß
ziemlich nett weiß

auch nicht
wein rot

abendrot
leckres brot

l’amour rouge