Berlin-Prenzlauerberg I

langsam und noch schwer erfüllt
vom wein
des vorabends
schäle ich mich aus dem bett –
dem mittag entgegen.
routine
schritt für schritt zum fenster
vorhang auf –
ist auf –
blick -‚
auf häuserwände
links rechts geradeaus
knastblick
alles ist wie immer
ich bin ein freier mensch.
ich hab mein leben in der hand.
der mittag seufzt –
nein der nachbar.
alles ist wie immer.
der nachbar kotzt
die seele aus dem leib –
ich überleg ob ich den notarzt rufe.
der hund im vorderhaus
ist wieder mal allein.
er singt das alte lied der wölfe.
im quergebäude
saxofon.
eine frau stöhnt
ich weiss nicht wo.
geschlechtsverkehr.
nur sie.
monoton –
ein ah, ein ah, ein ah –
am ende wird es länger
und höher.
das kind von gegenüber schreit –
mama –
arschloch!
alles ist wie immer.
jemand entleert die flaschen
vom vorabend
pfeifend
im glascontainer –

geschlossener hof.
sinfonie der großstadt.
alles ist wie immer
im prenzlauer berg.
ach –
im ersten seitenflügel –
ein pumuckl –
lustig.
es ist die blonde frau
aus dem zweiten stock.
sie schreit
höchste erregung
auf russisch ins telefon.
die emotion verknotet ihre stimme –
sie weint.
ein weinender pumuckl.
alles ist wie immer.
und ich hoffe, wir schaffen es.
jeder für sich.

 

© Inés Burdow