Diffuse Nachrichtenlage mit Mob

Ich wasche meine Hände in Unschuld, sagt der Nachrichtensprecher.
Er hält die Verbände hoch.
Er hat sich die Finger verbrannt.
Beim Waschen.

fassade verregnet

Diffuse Nachrichtenlage mit Mob.

„Ich bin unvoreingenommen gegenüber der Berichterstattung der Medien, solange das auch der Realität entspricht, die man als Bürger selbst empfindet. Vergewaltigung ist Vergewaltigung. Ich lass mir doch meinen Hass nicht von der Realität kaputt machen.“

Hurra, willkommen im gefühlten Journalismus.

„Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge haben im Januar 52.103 Menschen einen Antrag auf Asyl in der Bundesrepublik Deutschland gestellt. Gefühlt waren es 250.000 Anträge.“

Wohl zu viele Wetterberichte geschaut. Der Nachrichtensprecher schweigt. Nachdenklich betrachtet er das Butterbrot auf seinem Tisch. Halal?

In Deutschland darf man nichts anderes mehr essen, wegen der Flüchtlinge, sagt Zhana und lächelt spöttisch. Die Katholische Kirche tauft zurzeit keine Kinder mehr aus Rücksicht auf die Moslems, die euch jetzt überschwemmen. Ihr seid so naiv.

Wie doof sind die eigentlich noch im Land, in dem jeder behaupten kann, was er will, nur nicht das sagen darf, was passiert. Allen voran der Aussenminister.

Über die Alkoholsucht derer zu sprechen, die wissentlich lügen, um Krisen zu verstärken, darunter aber leiden und deshalb trinken, statt etwas anders zu machen, verbietet sich. Irgendwie schaut es aus, als würde dieses Wissen den Weltfrieden auch nicht weiterbringen.

Lügenpresse
Lügenpresse
Lügenpresse

Ist ja gut. Woher haben Sie eigentlich ihre Informationen?
Na aus dem Postillion. Ich habe meine aus dem russischen Fernsehen. Quasi der Gegenpart zur Lügenpresse. Die Wahrheit liegt ja bekanntlich in der Mitte. Nein, am Boden, denke ich.

Am Abend treffe ich einen geheimen Agenten. Er sagt das nicht so, er ist ja auch geheim. Aber er fragt mich, wie ich die Lage in Russland sehe, und was ich über den Abgeordneten mit dem Sprachproblem beim Alkoholproblem der Diplomaten weiß. Ich versuche, Zeit zu schinden. Lieber Kollege, sage ich zu ihm, und freue mich über meinen Witz, gelte ich doch in Kreisen der Beschimpfer und Shitstormmacher als Natosau. In Moskau glauben viele, ich sei ein feindlicher Spion, weil das doch alle Journalisten sind, ach, was sage ich, alle Ausländer, die im Ausland leben.

Hurra, es war schon immer gut von sich auf andere zu schliessen.

Also nochmal: Was trinken sie, Herr Kollege Natoagent?
Vodka Martini – geschächtet nicht geschüttelt.
Toller Witz.

Gibt es die gefühlte Vergewaltigung genauso, wie die gefühlte Temperatur? Klar, sagt Zhana, Vergewaltigung ist Vergewaltigung, egal, ob sie nun stattgefunden hat oder nicht. Bei gefühltem Wetter denke ich an Kachelmann, bei Vergewaltigungsfantasien neuerdings an Lawrow. Lawrow kann ja Mathe. Das ist der Schlüssel zur Lösung. Er kann eins und 567.778.993 zusammenzählen. Wer kann das nicht. Das macht zwölf und wer bei dreizehn nicht auf den Bäumen ist, neben den stellen wir einen Mann. Und dann behaupten wir, dass das eine nicht angemeldete Kundgebung ist, und nehmen ihn mit. Der wird ein Opfer der Justiz und ungerecht behandelt. Und als solcher wird er schnell noch ein Fall für Amnesty International. Keine Ursache, das machen wir gern. Wir stärken die Organisationen der Zivilgesellschaft, indem wir ihre Daseinsberechtigung unterstützen, die Leute motivieren, sich einzumischen und aktiv zu werden. Wir werden sie so lange beschäftigen, bis sie uns nicht mehr behindern können. Cool.

Zurück zur Wahrheit, sagt Zhana, die man ja bekanntlich überall findet, nur nicht in der Presse. Klar, sage ich, da ist sie ja immer in der Mitte, die Wahrheit, irgendwo zwischen Erfindung und Recherche. Gott bist du doof, sagt Zhana, längst vernebelt von den Islamisten: Das ist Geometrie. Auf der einen Seite die Realität, auf der anderen die Erfindung. In der Mitte die Wahrheit.

Irgendwie logisch.

Nachweisbar hat das Kindchen aus dem Berliner Wohngebiet sich schön altersgerecht verhalten. Kein Sex. Nur eine blühende Fantasie. Der gefühlten Wahrheit tut das keinen Abbruch. Will jemand wissen, was die Mitte ist zwischen Massenvergewaltigung durch Flüchtlinge und gar nichts Sexuellem? Ich habe Angst, wird doch Weltpolitik zwischen den Beinen einer Dreizehnjährigen ausgetragen.

„Der russische Aussenminister ist ein netter Mann. Er sorgt sich um das Wohl und die Sicherheit Minderjähriger in Berliner Wohngebieten.“ Ich werde den Kontakt zu Zhana abbrechen und alle russischen Zeitungen aus dem Fenster werfen, Fernseher und Radio hinterher, denke ich.

Zurück in die gleichgeschalteten Funkhäuser. Das mag der Tschekist. Пока, Вова, увидмся под столом, Коллеги Дипломаты.