Stalingrad IV

»Es soll wieder Stalingrad heißen«, sagt ein Veteran, »damit die Heldentat nicht vergessen wird, weil doch niemand weiß, wo Wolgograd ist, und jeder, was in Stalingrad passierte.«

 

 

Viktor Ananjew, Vorsitzender des Veteranenvereins Wolgograd, am 9.5.2012

Stalingrad II

Auszug aus Russian Angst:

„Ich bin müde von den Kämpfen, vom Sterben und von der Schuld, die die Erde auf den Feldern ausschwitzt, und der Sühne, dem Sieg, dem Saufen. Ich nicke immer wieder weg. Halbschlaf-Fantasien: Abflug aus Stalingrad. Ein Flugzeug am Boden. Laufender Propeller. Feldgraue Gestalten drängen sich, versuchen, in das Flugzeug zu kommen. Addi war hier.
Unser Nachbar. Damals. Viel jünger als ich heute. Adolf Eidam, Autopolsterer aus Hamburg-Barmbek. Er schlief nicht. Ging nachts. Ruhelos. Wandernd, wie die Splitter in seinem Körper. Addi saß vor dem Fernseher. Rauchte. Roth-Händle. Trank. Astra. Bismarck-Sprudel. Wählte. Schmidt. Saß in einem der letzten Flugzeuge, die Stalingrad verlassen haben. Mein Wachtraum ist schwarz-weiß.

Ich bin nervös, nicht wegen der Recherche, eher wegen der Emotionen. Das Land erzwingt die Auseinandersetzung. Die Sowjetunion unter Stalin hielt die Opferzahlen klein. Nach
dem Krieg wurden die Leichen oft nicht geborgen. Es war 2001, als ich das erste Mal über die Leichen des Zweiten Weltkriegs gegangen bin. Es war in einem Wald. Da lagen Helme zwischen Bäumen, rostig längst, Getriebeteile, Leuchtspurmunition.

Federnd der Schritt auf 60 Jahren Waldboden. Darunter die Knochen. »Wo ein Helm liegt, liegt ein Toter.« Mir gehen die Worte der Aktivistin nicht aus dem Kopf: »Der Krieg ist erst zu Ende, wenn der letzte Tote bestattet ist.« Ich bin nicht derjenige, der diesen Krieg beenden kann. Immer wieder ist er auf der Überholspur in der jährlichen Woche der Siege. Ich bestatte nicht, ich berichte. Dieser Krieg geht nie zu Ende. In diesem Wald buddeln junge Männer die Leichen des Zweiten Weltkriegs aus, »damit sie sich an Tote gewöhnen«, sagte die Aktivistin, »und an die Kampfeinsätze der Armee«. Damals ging es noch um  schetschenien. Die Jungen in Russland müssen robust sein, denn der Wehrdienst in der russischen Armee ist immer noch schrecklich.

Anflug auf Wolgograd. »Es stand ein Soldat am Wolgastrand …« Angst beim Anflug. Graugrüne Felder von Furchen durchzogen. Einst Schützengräben? Der Flugplatz, im Januar 1943 der letzte Ausgang aus dem Kessel. Soldaten hängten sich an das Flugzeug. Angst und Panik in den letzten Stunden. Wie viele Soldaten kannten die Operettenschnulze und freuten sich auf eine einsame Wacht am Wolgastrand mit einer Fluppe in der Hand und Heimweh nach dem Vaterland. Es blieb ihnen keine Zeit, nur Angst. Wie viele haben sich gefragt, warum sie dort stehen?

Beim Blick aus dem Fenster auf die graugrüne Landschaft drängt sich die Frage auf: Sind alle Leichen geborgen? Die Erde neben der Rollbahn schwitzt die Leichen aus. Ich kann
es sehen. Sie ist voll mit ihnen. Wie viele der Männer hatten noch nie geküsst, bevor sie ums Überleben kämpften, töten mussten, getötet wurden. Wollten küssen, nicht vergewaltigen. Waren dabei, als gemordet wurde. Wollten überleben. Ihre Körper vergammelten im sandigen Boden der üdosteuropäischen Steppe. Hunderttausendfach hätten sie heute ihr Leben hinter sich, wären alt, weise, zufrieden vielleicht, hätten Kinder und Enkel, wären bestattet, hätten Blumen auf den Gräbern. Stattdessen wandern sie in Halbschlaf-Fieberfantasien beim Anflug auf Wolgograd.“

Stalingrad

Wenn ich aus dem Kapitel „Stalingrad“ lese, passiert es immer wieder, dass Zuhörer oder Zuhörerinnen weinen.
Heute vor 75 war die Schlacht um Stalingrad zu Ende. Die Körberstiftung hat zu dem Anlass ein Interview mit mir geführt. Hier der Text:

 

Sie sind 2012 im Umfeld des 70. Jahrestags der Schlacht von Stalingrad nach Wolgograd gereist. Ihre Begegnungen und Erlebnisse stehen im Mittelpunkt des Kapitels zu Stalingrad in Ihrem Buch „Russian Angst“.
Was ist Ihnen von Ihrem Besuch 2012 in Wolgograd bis heute am eindrücklichsten im Gedächtnis geblieben?

In Wolgograd haben sich meine Dankbarkeit und mein Respekt vor den Menschen, die dafür gesorgt haben, dass das Dritte Reich den Zweiten Weltkrieg nicht gewonnen hat, noch einmal um ein Vielfaches verstärkt. Wir haben es auch den Menschen in der Sowjetunion zu verdanken, dass wir in freien, demokratischen Gesellschaften leben können. Etwas, das ihnen selbst leider verwehrt geblieben ist.

Ich war in all den Jahren in Russland, Weißrussland und der Ukraine an keinem anderen Ort, an dem das Leid, das der Krieg über die Menschen der Sowjetunion gebracht hat, so spürbar ist. Noch immer sind nicht alle Opfer der Schlacht von Stalingrad geborgen. Sie liegen unter der Erde auf weiten Feldern. Dort liegen auch ihre Stiefel, Patronen, Konserven, Autositze usw. Man geht quasi über die Leichen, muss nur ein wenig buddeln, dann kann man auf Knochen stoßen. Es ist grausig, besonders, weil das Sterben so sinnlos war. In Wolgograd wird der Irrsinn von Krieg und Einmarsch in andere Länder überdeutlich. Welch ein Wahnsinn, Deutsche Soldaten an die Wolga zu treiben. Was zur Hölle wollte die Wehrmacht dort? Deutsche Soldaten hatten dort nichts zu suchen.

Wie hat sich der Erinnerungsdiskurs zu Stalingrad in Russland heute, zum 75. Jahrestag, aus Ihrer Sicht verändert?

Die Feiern verändern sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ständig. Anfangs waren die Jubiläen Tage tiefer Trauer, die im Familienkreis begangen wurden.

Bei den öffentlichen Feiern stehen bisher die Veteranen im Mittelpunkt, doch sie werden mit jedem Jahr weniger. In der Region Wolgograd sollen es noch etwa 2000 sein, die den Krieg miterlebt haben, knapp 300 von ihnen sollen an der Schlacht von Stalingrad teilgenommen haben. Sie erhalten zum Jahrestag bestimmte soziale Geschenke wie zum Beispiel eine kostenlose medizinische Behandlung.

Heute hat das ganze Volksfestcharakter, einer der Höhepunkte ist eine Lasershow. Wie sich vor fünf Jahren schon abgezeichnete, werden die Feiern immer militaristischer. Damit ist das diesjährige Gedenken auch ein Spiegel der Entwicklung der ganzen Gesellschaft. Erstmals tragen bei der diesjährigen Parade Soldaten Porträts der Teilnehmer der Schlacht. Der Staat kapert damit eine Initiative von Privatpersonen. Sie entstand vor ein paar Jahren in Sibirien. Dort gingen Menschen am Tag des Sieges, dem 9. Mai, mit Bildern ihrer Vorfahren auf die Straße, unabhängig vom offiziellen Gedenken. Sie nannten es das „unsterbliche Regiment“, „bessmertnyj polk“, und wollten damit die Erinnerung personalisieren. Das Projekt war so erfolgreich, dass kurze Zeit später in Moskau auch Präsident Putin in so einem Zug mitlief und viele Unbeteiligte mit Portraits von Veteranen ausgestattet wurden. Diese Entwicklung setzt sich nun in Wolgograd fort.

Was auf mich immer ein wenig befremdlich wirkt, ist, dass an so einem Tag Kriegsgerät präsentiert wird. Die Armee präsentiert sich und wirbt für den Dienst in der Armee. Es gibt eine Konferenz mit dem Titel: „Stalingrad – ein Symbol des Heldentums, des Patriotismus und der Einheit der Völker Russlands und der Welt.“

Das Ziel von Kulturminister Medinski ist eine positive patriotische Darstellung der Vergangenheit. Diskussionen stören dabei. Der „Große Vaterländische Krieg“, so scheint mir, wird, je länger er zurückliegt, desto mehr zum Heiligtum, zur Klammer einer ausgefransten orientierungslosen Gesellschaft. Das macht Diskussionen und Gedenken schwierig, denn andere Ansichten werden schneller als früher persönlich genommen und als Beleidigung empfunden.

Welche Rolle spielt in dem Zusammenhang der Sieg der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg für die Rehabilitierung Stalins im heutigen Russland?

Eine zentrale. „Stalin hat Europa vom Faschismus befreit. Klar, es gab dunkle Seiten, aber Stalin war ein großer Feldherr und Führer.“ Ungefähr so kann man die offizielle Lesart von Stalin zusammenfassen. Die russische Regierung meint, daran anzuknüpfen, wenn sie gegen das „Chaos“ kämpft, das Demokratie vermeintlich über die Menschen bringt, und wenn sie versucht, Russland wieder zu sowjetischer Größe zu führen. Russland wird schamlos mit der Sowjetunion gleichgesetzt.

Gleichzeitig wird Geschichte verbogen, nichts wird hinterfragt. Begriffe aus der Stalinzeit sind wieder salonfähig, wie der der „ausländischen Agenten“. Die Propaganda versucht derzeit, die Reihen gegen angebliche „Feinde von außen“ zu schließen. Eine weitere Parallele zur Stalinzeit ist die Tendenz, das Wohl des Staates über das Individuum zu stellen. Das ist eine klare Absage an Demokratie.

Wie beurteilen Sie die Wahrnehmung der Schlacht von Stalingrad in Deutschland?

Sie ist mittlerweile völlig anders als in Russland. Mein Eindruck ist, dass die Diskussionen, je länger die Schlacht zurückliegt, umso akademischer werden. Das ist ja auch normal.
Aber die Schlacht von Stalingrad bewegt die Leute nach wie vor. Ich habe neulich vor hundert Zuhörern bei der Volkshochschule Beckum-Wadersloh aus dem Stalingrad-Kapitel gelesen. Es waren hauptsächlich ältere Leute im Publikum. Und viele haben mit den Tränen gekämpft.
Meiner Ansicht nach müssen wir 75 Jahre nach der Schlacht von Stalingrad und angesichts um sich greifenden Nationalismus dafür sorgen, dass alles getan wird, um Kriege und Imperialismus zu verhindern, egal wo.

 

Russian Angst in Frankfurt/Main

Donnerstag 12.10.2017 um 17h auf der Buchmesse. Zur blauen Stunde auf dem blauen Sofa.

http://www.das-blaue-sofa.de/veranstaltungen/frankfurter-buchmesse-2017/do/

100 Jahre Russische Revolution.

100 Jahre nach der Revolution ist die russische Gesellschaft von Ängsten geprägt, die zurück reichen bis ins Jahr 1917. Es ist die Angst der Regierenden vor der eigenen Bevölkerung, die sie jeden Ansatz von Opposition im Keim ersticken lässt. Es ist die Angst vor der – Achtung, großes Wort – „Wahrheit“, die Angst vor der Realität. „Mein Gott, der Kaiser ist ja nackt…“

Was blieb von der Revolution vor 100 Jahren?  Die Angst vor Umbrüchen; in der Sowjetunion als Konterrevolution bezeichnet, heißen sie nun „bunte Revolutionen“. Angst durchzieht die Gesellschaft, Angst ist die Basis des Geheimdienstes und ihres obersten Dieners Präsident Putin. Darüber werden wir diskutieren. Mit dabei Karl Schlögel und Gerd Konen. Moderation: Marie Sagenschneider.

Freiheit ist stärker als Angst: Gewerkschaftshaus in Kiew

 

 

 

 

 

Zur Bundestagswahl

Dank allen, die für Russian Angst gestimmt haben. Unter 184 Einreichungen der besten Bücher unabhängiger Verlage hat es das Buch mit Eurer/Ihrer Hilfe auf Platz 5 geschafft!

https://www.hotlist-online.com/die-kandidaten-wahlergebnis/

Anlässlich der heutigen Bundestagswahl und meiner Freude, in einer Demokratie leben zu dürfen, ein paar Erinnerungen an 2012.

Frühjahr in Jaroslawl. Knapp vier Zugstunden nördlich von Moskau wird der Bürgermeister gewählt. Goldene Kuppeln wetteifern um den schönsten Glanz in der Frühjahrssonne. Es liegt Schnee, und auf der Wolga treiben Eisschollen. Jaroslawl ist ein Idyll wie aus dem russisch-orthodoxen Tourismuskatalog. Ein Wahllokal ist in einer Schule, drei Stockwerke, roher brauner Ziegel. In einem Fenster steht ein großer Lautsprecher, eine russische Fahne hängt schlaff herunter. Auf dem Flur wird viel geschwatzt, es gibt Tee und Kekse für die, die gewählt haben. Im Wahllokal sitzen zehn Leute in einer Reihe an zehn Tischen und warten auf Wähler.

An der Wand hinten sitzen Olga aus Moskau, 24 Jahre alt, damals gerade arbeitslos geworden, ihre Freundin und eine ältere Frau, gleichfalls aus Moskau. Sie gehören zu 350 Wahlbeobachtern, die aus Moskau angereist sind, organisiert von der Bewegung „Graschdanin Nabljudatel“, „Der Bürger als Wahlbeobachter“. Im Frühjahr 2012 haben noch viele Menschen an die Demokratisierung Russlands geglaubt.

„Graschdanin Nabljudatel“, „Der Bürger als Wahlbeobachter“

Olga hat mit anderen Wahlbeobachtern telefoniert. Angeblich finden in ganz Jaroslawl Wahlfälschungen statt. Es sind Gruppen junger Leute gesehen worden, die mit Stimmkarten von Wahllokal zu Wahllokal ziehen und mehrfach abstimmen. Wahlfälschung war in der Sowjetunion normal. Und die Leute, die die Wahlen durchführen, sind größtenteils immer noch dieselben. Viele finden nichts dabei.

Olgas Mund wird schmal. Sie behält die Urne im Auge, macht Striche auf einem Zettel. Am Ende sollen nur so viele Stimmzettel in der Urne liegen, wie Striche auf den Listen sind.

Olga dreht eine Zigarette, geht raus. Es gibt zwei Kandidaten, beide sind sehr reich. Der eine tritt für die Regierungspartei an und verdient sein Geld hauptsächlich mit Immobilien, der andere ist vor kurzem aus der Regierungspartei ausgetreten und präsentiert sich nun als Oppositioneller und Reformer.

Vor dem Haus stehen zwei junge Männer und eine Frau. Sie geben sich als Wahlbeobachter aus, beobachten aber gar nicht. Statt dessen sprechen sie immer wieder Leute an und gehen mit denen dann etwas zur Seite. Olga hat den Verdacht, dass die drei jedem, der für den Regierungskandidaten stimmt, Geld bezahlen. Olga spricht sie an. Die drei streiten alles ab, wollen sich nicht fotografieren lassen, weichen aus.

Ein Mann mit Kinderwagen nähert sich der Gruppe. Als er Olga und das Mikrophon sieht, stutzt er. Olga fragt ihn, ob ihm Geld angeboten wurde. „500 Rubel habe ich bekommen. Aber das kriegt doch keiner mit. Und auf meine Wahl hat das auch keinen Einfluss…“ – „Ist Ihnen denn klar, dass das nicht ehrlich ist?“, fragt Olga. „Wieso? Die können doch meine Stimme nicht kaufen. Die bieten mir Geld an. Warum soll ich das nicht nehmen?“ – „Sympathisieren Sie denn mit einem der Kandidaten?“ – „Mit keinem. Weder mit dem einen noch mit dem anderen.“

Olga geht weiter auf und ab, sucht die drei Typen. Sie möchte sie gern auf frischer Tat beim Stimmenkauf ertappen. Doch die drei sind verschwunden.

In diesem Wahllokal wurde nicht gefälscht. Darauf ist Olga stolz. Es ist auch ihr und den anderen freiwilligen Wahlbeobachtern zu verdanken. Und der Kandidat der Opposition gewinnt tatsächlich. Ihr Engagement hat sich gelohnt.

Wenig später folgt Ernüchterung. Der gewählte Bürgermeister wird unter Korruptionsvorwürfen festgenommen und zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Auch Boris Nemzow hatte sich übrigens in Jaroslawl engagiert. Er saß ab 2013 als Abgeordneter im dortigen Regionalparlament. Am 27. Februar 2015 wurde er nicht weit vom Kreml erschossen. 1997 und 1998 war er stellvertretender Premierminister gewesen.

Alle, die immer behaupten, hier in Deutschland sei es doch auch alles sehr schlimm und man könne niemanden mehr wählen und die politische Kultur sei auch nicht viel besser als in Russland, seien darauf hingewiesen, dass zu Nemzows Bestattung kein einziger Regierungsvertreter kam. Und dass sein Mord keine Chance auf Aufklärung hat.

 

Eine Bitte

in eigener Sache: Mein Buch „Russian Angst“ ist auf der Liste der 30 besten Bücher unabhängiger Verlage gelandet. Nun ist das Publikum an der Reihe, das Beste der 30 zu wählen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie und Ihr und viele andere auf den Link klicken und für „Russian Angst“ stimmen.

https://www.hotlist-online.com/wahllokal-polling/

Die Abstimmung läuft noch bis zum 22.8.

Bitte sagt es weiter.

Vielen Dank und noch mehr Grüße

Thomas Franke

Kisch & Co

Russian Angst bei Kisch & Co… Da schlägt mein Reporterherz gleich schneller.

Donnerstag, 6. Juli 20h
Oranienstraße 25, 10999 Berlin
Buchhandlung Tisch & Co

Lesung mit Bonuskapitel: Putins Geburtstag!!!
In der Lieblingsbuchhandlung lese ich am liebsten.

 

Russian Angst

Die Körberstiftung/Edition Körber hat die Buchvorstellung am 3.4.2017 aufgezeichnet.
Vielen Dank allen, die da waren und diskutiert haben und den Veranstaltern!

Auf dem Podium der Autor Thomas Franke
Moderation: Bernd Großheim, NDR

Zur Aufzeichnung >>

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Moskau wird geputzt. Die schwarzen Haufen alten Schnees werden auf LKW verladen. Gastarbeiter aus Zentralasiaten streichen Zäune und Bordsteine, Spielgeräte und Müllcontainer, oft in grün. Junge Frauen posieren im Park Pobedy, dem Siegespark. Moskau rüstet sich für die Feiertage. Der 1. Mai ist arbeitsfrei, der 9. Mai, der Tag des Sieges, auch. Viele Hauptstädter fahren zehn Tage auf die Datscha, machen sauber, säen Gemüse, pflanzen Kartoffeln…

dewuschki im park pobedi wasserzeichen

 

Russian Angst

„In der Mitte des Platzes bildet sich ein Menschenknäuel. Polizisten bücken sich, schauen den Spaziergängern durch die Beine: „Genosse General“, sagt einer in sein Funkgerät, „sie bauen ein Zelt auf!“ Die Uniformierten werden hektisch. Ein Zelt vor dem Kreml. Der GAU für die Sicherheitskräfte. Zelte gehen gar nicht. Zelte symbolisieren demokratischen Umbruch.

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